Der Begriff Spiritualität leitet sich vom lateinischen Wort Spirus ab, was übersetzt soviel bedeutet wie ich atme. Gemeint ist damit der Hauch, der Geist der unsichtbar ist, physisch nicht erfasst und rational nicht erklärt werden kann. Spiritualität umfasst die sinnlichen, übernatürlichen Erfahrungen, die über die materielle Welt hinausgehen.

Eine spirituelle Beziehung ist weitaus wertvoller als eine körperliche. Eine von der spirituellen getrennte körperliche Beziehung ist ein Körper ohne Seele.

Mahatma Gandhi

Modernere Erklärungen von Spiritualität

Wertvolle spirituelle Weisheiten und Lehren wird man sowohl in den altbekannten religiösen Schriften, als auch in alten und neuzeitlichen esoterischen Texten finden können. Aus traditioneller Sicht wird Spiritualität mit Religion in Verbindung gebracht, weil sie dort ihren Ursprung hat. Während es oft üblich ist, als spiritueller Mensch an die Existenz höherer, übernatürlicher Wesen und an die Existenz eines allmächtigen Gottes zu glauben, muss man als spiritueller Mensch, nicht zwingend an höheren Wesen glauben oder einer religiösen Einrichtung angehören. Dennoch können religiöse Schriften, wie beispielsweise der Tanach, die buddhistische Lehren, der Daoismus, der Sufismus oder das neue Testament aus der Bibel einen Einstieg in die Spiritualität bieten, sind dafür jedoch keine Voraussetzung. All diese Schriften tragen in ihren eigenen Worten die selbe Nachricht in sich, nämlich dass der Ursprung des Lebens, der gesamten Existenz und der materiellen Welt, geistiger Natur ist und dieser Geist, das gesamte Universum umgibt und durchdringt.

Manche nennen es Gott, die Urquelle, den Schöpfer oder einfach Geist, bzw. Spirit. Egal wie man es nennt, die Bedeutung dahinter, ist die selbe: Es ist eine allmächtige heilige Wesenheit, die mit den klassischen Naturwissenschaften nicht erklärt werden, jedoch von jedem Wesen mit einer Seele intuitiv wahrgenommen werden kann. Diese Wesenheit ist die Quelle allen Seins, was zugleich bedeutet, dass alles was ist, miteinander verbunden ist. Die göttliche Quelle ist zugleich pure Liebe bzw. Lichtenergie. Daraus lässt sich schließen, dass die Grundsubstanz dieses Universums, Licht ist, welches in zahlreichen Variationen, Formen und Dichten existiert und so die uns bekannten Elemente bilden. Alle im Universum lebenden Organismen sind Lichtwesen, die einen enthalten mehr Licht und die anderen weniger. Alle sind dennoch Teil der selben Skala und unterscheiden sich lediglich in ihren Abstufungen. Alle stammen aus der selben göttlichen Urquelle ab und werden höchstwahrscheinlich alle wieder eines Tages dorthin zurückkehren.

Über die Materie gibt es noch das geistliche, nicht sichtbare, was aber dennoch existiert und realer ist, als die materielle Welt. Es sind niedere und höhere Dimensionen die für die meisten Menschen nicht sichtbar sind. Wenn man den Aufbau eines Atoms betrachtet, dann kann man feststellen, dass davon nur zu 0,01 Prozent aus echter Materie besteht die in ihrer Grundsubstanz verdichtete Photonen (Lichtteilchen) sind, während die restlichen 99,99 Prozent leerer Raum sind. Unser materielle, wahrnehmbare Welt besteht deshalb größtenteils aus leeren Raum. Das menschliche Auge nimmt nur 1% des elektromagnetischen Spektrums wahr. Darüber hinaus gibt es noch viel mehr, was die meisten gar nicht sehen können. Wir sind bezogen auf die Wahrnehmung des Universums, faktisch gesehen blind und eingeschränkt. Das Universum bietet noch zahlreiche andere Welten und Dimensionen, welche höhere und niedere Stufen des Seins ermöglichen und von den meisten Menschen nicht wahrgenommen werden können. Die meisten Menschen nehmen nur einen winzigen Bruchteil von weniger als 0,1% des gesamten existierenden Universum wahr. Viele Leute glauben nur an das was sie persönlich sehen und wahrnehmen. Aus diesem Grund glauben viele Menschen nicht daran, dass es da draußen noch viel mehr gibt als sie mit ihren Sinnen wahrnehmen. Aber macht diese Einstellung Sinn?

Als Beispiel: Nur weil man mit den eigenen Augen nicht alle der vielen Milliarden Sterne und Galaxien im gesamten Universum sehen kann, heißt das jetzt, dass es nicht da ist? Nur weil Du persönlich noch nie um die Welt gereist bist und nicht andere Länder und Städte gesehen hast, heißt das jetzt, dass es diese Orte nicht gibt? Wie viele Menschen existieren auf diesem Planeten und wie viele von ihnen hast Du persönlich kennengelernt? Damit sollte nun klar sein, dass es da draußen sehr viel mehr gibt, als man persönlich wahrnimmt. Nur weil etwas nicht wahrnehmbar oder messbar ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht existiert. Das gilt auch für die spirituellen Welten. Spirituelle Menschen, wollen auch das nicht sichtbare, das nicht wahrnehmbare, sehen können und daraus neue wertvolle Erkenntnisse sammeln.

Darum umfasst die moderne Bedeutung von Spiritualität geistige und übernatürliche Erfahrungen, die über das wahrnehmbare hinausgehen, sowie das persönliche Wachstum und die Entwicklung hin zu einem höheren, heiligen Selbst, fernab von weltlichen Zielen und Begierden. Echte Spiritualität geht mit einer gesunden Bescheidenheit und Ehrfurcht einher, selbst dann, wenn man spirituell fortgeschrittener ist als andere. Sie befasst sich auch mit philosophischen Fragen, wie dem Sinn des Lebens und dem Zweck der Existenz und mit der Frage, wie man langfristig bewusst und glücklich lebt. Spirituell ist es deshalb auch, wenn man im Sinne des Allgemeinwohls handelt und täglich nach den höchsten Intentionen lebt, was voraussetzt, das man aus dem tiefsten Herzen heraus, das eigene Wohl und das Wohl der anderen im Interesse hat.

Vielleicht ist dir der Begriff ,,Gemeinschaftsgeist“ bekannt. Das ist ebenfalls ein Grundgedanke der Spiritualität. Ethisches Handeln, das Lösen von gesellschaftlichen Problemen, das Ansammeln und Teilen von wertvollen, hilfreichen Wissen, sind deshalb so gesehen spirituelle Praktiken, auch wenn diese Werte nicht immer direkt damit in Verbindung gebracht werden.

Dennoch muss ein Spirit bzw. Geist, nicht immer gutartig sein. So wie es ,,gute Geister“ gibt, gibt es auch ,,böse Geister“, die weniger lebensfreundlich sind und rein eigennützige Interessen verfolgen. Andere würden sie auch als Dämonen oder gefallene Engel bezeichnen; sie symbolisieren zugleich die niedere, animalische Natur des Menschen. Beide Seiten, die niedere und die höhere Natur, sind im Menschen irgendwo enthalten. Da das Universum indem wir leben, jedoch von Grund auf wohlwollend geschaffen ist, ist der ,,gute Geist“ wesentlich mächtiger und einflussreicher, was auch daran liegt, dass er das Leben und das Allgemeinwohl unterstützt. Nur dort wo Leben in seiner vollen Stärke existieren kann, kann auch etwas wachsen und gedeihen und an Macht dazu gewinnen. Selbstoptimierung, die Arbeit für höhere Ziele, das Handeln für eine bessere Welt und nach wohlwollenden Intentionen, sind deshalb höchst spirituelle Eigenschaften und haben mit Religionen an sich, nichts zu tun. Wissenschaftler, Unternehmer und Arbeiter, die im Sinne des Allgemeinwohls handeln, sind zugleich spirituelle Menschen, auch wenn sie keiner religiösen Einrichtung angehören, sich nicht mit esoterischen Themen befassen und sich selbst vielleicht nicht als spirituell betrachten. Spirituell orientierte Menschen stellen sich Fragen wie:

  • Woher komme ich?
  • Wohin gehe ich?
  • Was passiert nach dem Tod?
  • Was ist der Sinn meiner Existenz?
  • Gibt es da draußen höhere Wesen, dessen Existenz ich mir nicht bewusst bin?
  • Wie werde ich langfristig glücklich?
  • Wie kann ich zum höchsten Wohl dienen?

Jeder Mensch, der sich in seinem gesamten Leben mindestens einer dieser Fragen gestellt hat, ist in gewisser Weise spirituell, auch wenn nicht jeder das von sich selbst behaupten würde. Selbst ein Atheist ist bis zu einem gewissen Grad spirituell, wenn er weiterhin das Wohl der Gesellschaft oder zumindest sein eigenes Glück im Fokus hat. In der Spiritualität geht es auch um die Selbstfindung. Jeder von uns hat mehr oder weniger den natürlichen Drang, sich selbst und die Welt da draußen im tieferen Sinne zu verstehen.


Wofür braucht man Spiritualität?

Spiritualität ist nichts, dass man lernt, sondern etwas das man selbst erfährt und das insbesondere dann, wenn man in einem Lebenszyklus steckt. Viele Menschen haben eine Seele, die unsterblich ist, in alle Ewigkeit existiert und hier auf der Erde über den menschlichen Körper Erfahrungen sammelt. Es geht am Ende um die Erfahrungen die man innerhalb eines Lebenszyklus sammelt und die Entwicklung, die damit einhergeht. Jede Seele ist ursprünglich hier auf der Erde (und anderen Orten im Universum) inkarniert, um bestimmte Erfahrungen zu sammeln, die zu ihrer persönlichen spirituellen Entwicklung beitragen. Durch die Erfahrungen wächst die Seele und wird in jeder weiteren Inkarnation weiser, erfahrener und in bestimmten Bereichen besser. Wenn Du diesen Text hier liest, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du, bzw. deine Seele schon seit langer Zeit existiert und in zahlreichen früheren Inkarnationen bereits unzählige Erfahrungen, verschiedenster Art sammelte.

Die Seele zeichnet zudem alle gesammelten Erfahrungen für die Ewigkeiten auf. Auf diese Erfahrungen und die daraus gesammelten Lektionen, kann man in einem späteren Leben zugreifen, was vorraussetzt, dass man sich mit dem Göttlichen verbindet und geistig in die höheren Dimensionen aufsteigt. Die Erfahrungen, die jedes Individuum sammelt, dienen der individuellen Entwicklung und zugleich der universellen Entwicklung, da alles was existiert miteinander verbunden ist. Die Seele ist zugleich Gottes Auge. Gott möchte sich durch die inkarnierte Seele in seinen Schöpfungen erfahren. Das ist der Hauptzweck von Spiritualität und beantwortet zugleich einige der zuvor aufgezählten Fragen.

Jeder Mensch oder jedes Wesen mit einer Seele, ist deshalb von Natur aus spirituell. Manche haben die Anbindung zum Göttlichen verloren oder stark reduziert, während manche Schöpfungen nie eine Seele hatten. Darum wird man insbesondere auch hier auf der Erde Menschen oder Wesen vorfinden, die von allen guten Geistern verlassen sind, oder in anderen Worten: Seelenlose Gestalten, die keine Verbindung zum Göttlichen haben und nur zum eigenen Vorteil handeln. Das soll nicht verurteilend sein, sondern lediglich erklären, warum es Wesenheiten gibt, die das Gegenteil von spirituellen Werten leben und sich mehr von animalischen Trieben als von höheren Intentionen leiten lassen. Auch diese Wesen, werden sich eines Tages zu etwas Höherem entwickeln, den gleichen Prozess sind auch wir Menschen durchgelaufen. Für alle Wesenheiten gilt: Je mehr Egozentrik und Eigennutz involviert sind, desto weniger spirituell ist jemand. Spiritualität hilft, das Ego mit der Zeit nach und nach auf ein Minimum zu reduzieren. Sämtliche Egospielchen und Maskeraden werden mit der Zeit fallen gelassen, was bleibt, ist das pure Sein. Man lebt vermehrt im Frieden, Einklang und Harmonie mit allem was ist. Man erfährt sich selbst und das Universum in einem tieferen Sinne. Man kommt der absoluten Wahrheit immer näher und gewinnt dadurch wertvolle Erkenntnisse, die für die persönliche spirituelle Entwicklung, aber auch für die Entwicklung des gesamten Kosmos von hohem Wert sind.