Wer in einem Land wie Deutschland lebt, bekommt von der Gesellschaft von Beginn an erzählt, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg sei. ,,Wissen ist Macht”, so heißt es. Die Gebildeten, die Intellektuellen, weisen der Gesellschaft den Weg; so wird es in unserer gegenwärtigen Kultur zumindest vermittelt. Es heißt, wer studiert hat, einen bestimmten Hochschulabschluss erlangt hat, der wird es beruflich leichter haben und bessere Chancen auf ein gut bezahltes Gehalt haben, als jemand der nicht studiert hat. Warum das nicht ganz stimmt und warum heutzutage das Studium alleine für den beruflichen Erfolg nicht mehr ausreicht, wird in diesem Beitrag erklärt.

Das Problem mit dem Bildungssystem

Das Schulsystem ist veraltet. Damit meine ich nicht, ob dort für den Unterricht moderne Technologien angewendet werden, sondern die Tatsache, dass in den meisten staatlichen Schulen einem irrelevantes Wissen vermittelt und die Kinder auf eine Zukunft vorbereitet werden, die es nicht mehr geben wird. Den meisten Kinder wird vermittelt, dass sie fleißig sein sollen, gute Noten bekommen müssen und anschließend nach der Schule idealerweise etwas studieren um dann so, einen sicheren gut bezahlten Job zu finden. Dieses Modell ist veraltet und hat in den 1960er für die meisten vielleicht noch gut funktioniert.

Heute, wo die Digitalisierung und die Automatisierung mit ins Spiel kommen, funktioniert die Idee einer sicheren Festeinstellung immer weniger und die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie schnell und einfach es gehen kann, seinen Job zu verlieren. Hinzu kommt, dass die Schüler nicht mehr für die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes gewachsen sind. Was die Unternehmen von heute suchen, sind Lösungen auf bestehende Probleme. Diese Lösungen produzieren Unternehmen in Form eines Produktes oder einer Dienstleistung. Um funktionierende Lösungen zu entwickeln, braucht man nicht nur Wissen, sondern auch Kreativität und bestimmte Fähigkeiten. Die nötigen Fähigkeiten und das Wissen bekommt man zwar in den öffentlichen Schulen vermittelt, doch das Problem ist, dass die meisten Lehrer den Schüler lediglich den Lehrstoff eintrichtern, ihnen aber nicht sagen, wofür dieses Wissen überhaupt gebraucht wird. Hätte ich damals als Schüler von Anfang an gewusst, dass beispielsweise Mathematik besonders wichtig in Informatik ist, wenn man Algorithmen programmieren möchte oder hätte ich gewusst, dass man Physik und Chemie braucht um nachhaltige, energieeffiziente Baustoffe zu entwickeln, dann hätte ich damals den Sinn und die Wichtigkeit dieser Lehren erkannt und mir wesentlich mehr Mühe gegeben und bestimmt auch mehr von dem Lehrstoff behalten.

Was die Kinder in den heutigen Schulen stattdessen machen, ist stundenlanges Büffeln, nur um am Ende bei der Prüfung den ganzen auswendig gelernten Schulstoff wieder auszukotzen, so das am Ende nichts mehr davon im Kopf hängen bleibt. Bereits Elon Musk sagte, dass das menschliche Gehirn nicht darauf konzipiert ist, sich Dinge zu merken, die für ihn nicht relevant sind. Was die Lehrer tun, wenn sie den Schülern den Schulstoff vermitteln, ist in etwa so wie wenn sie den Kinder alles über die Werkzeuge beibringen, mit denen Sie ein Auto reparieren sollen, ihnen aber nicht sagen wofür sie diese Werkzeuge überhaupt brauchen. Weil die Kinder nicht den Sinn in dem beigebrachten Schulstoff sehen und nicht verstehen, warum sie merkwürdige mathematische Gleichungen und Parabeln lösen sollen, behalten sie am Ende sogut wie nichts davon. Das Gehirn merkt sich nichts, was für ihn unwichtig erscheint.

Zu viel Theorie, zu wenig Praxis

Jetzt, wo ich gerade diesen Beitrag verfasse, habe ich keinen einzigen Tag lang, klassisch etwas an der Uni studiert. Ich bin kein Hochschulabsolvent und ich habe auch keine besondere Lizenz oder einen besonderen Abschluss, weil ich es für meine Zwecke bisher nie gebraucht habe. Mit 18 Jahren begann ich ein berufsbildendes Jahr an einer Berufsschule in Richtung Kaufmann in Groß- und Außenhandel, was ich dann kurz vor Ende abgebrochen habe, weil es für mich nicht das richtige war. Ich sehe mich als typischen beruflichen Allrounder, das bedeutet ich war schon in unzähligen beruflichen Tätigkeiten aktiv und habe entsprechend einen gewissen Erfahrungsschatz in verschiedenen beruflichen Tätigkeiten gesammelt. In manchen Bereichen war ich ziemlich gut und in anderen Bereichen weniger gut. Ich konnte nur durch die berufspraktischen Erfahrungen überhaupt erst herausfinden, in welchen Bereichen ich meine Stärken habe.

Um diese Webseite hier aufzubauen, braucht es eine gewisse Expertise, Wissen und vor allem die Praxis. Ich habe mir diese Expertise nicht über jahrelanges Studieren an der Uni beigebracht, sondern es mir autodidaktisch selbst angeeignet, das heißt im Selbststudium über das Internet alles gelernt und umgesetzt. Ich denke die Bildung der Zukunft wird vermehrt digital und mehr auf Eigenverantwortung laufen, insbesondere in Pandemie-Zeiten, wo viele Schulen geschlossen sind und der Unterricht ins Internet verlagert wird. Etwa 90% meiner heutigen Fähigkeiten, habe ich mir selbst über das Internet beigebracht und nur einen geringen Bruchteil über das staatliche Bildungssystem.

Das ist unter anderem möglich, weil das Internet deutlich vielseitiger ist, mehr Informationen liefert und die Möglichkeiten auf Weiterbildung hier wesentlich größer sind, als in einer klassischen Bildungseinrichtung. Ich bin mir sicher, dass ich nicht ansatzweise alles von meinem heutigen Wissen erlangt hätte, wenn ich dafür ein klassisches Studium absolviert hätte, doch das darf jeder gerne für sich selbst herausfinden.

Das Problem mit unserem derzeitigen Bildungssystem ist schon lange folgendes: Zu viel Theorie aus irgendwelchen alten Büchern, zu viel Gerede des Professors und zu wenig Praxis. Wir Menschen lernen am besten durch Praxis, nicht umsonst heißt es ,,Learning by doing” und genau davon wird man in einem Hörsaal oder einer Bibliothek zu wenig haben. Wir lernen etwas am besten, wenn wir das Gelernte in die Realität umsetzen und aus den Erfahrungen dazulernen. So entwickeln wir uns optimal weiter und können in dem was wir tun besser werden. Schaut man sich die Wissenschaft von heute an, dann stellt man fest, dass ein Großteil, was man dort zu hören bekommt, letztendlich nur Theorie ist. Wenn man sich zu heutigen Zeiten ansieht, was viele Arbeitgeber von ihren Bewerbern verlangen, dann sind das vor allem die praktischen Erfahrungen. Genau davon wird ein Studiumabsolvent zu wenig haben, wenn er 4 Jahre seines Lebens in Hörsälen und in Bibliotheken vor dicken Büchern verbringt. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn viele Studenten, nachdem sie ihr Studium absolviert haben, am Ende trotzdem keinen Job in dem Bereich finden, wofür sie studiert haben. Neben dem Studium braucht es auch berufspraktische Erfahrung. Arbeitgeber wollen Mitarbeiter mit echten Erfahrungen und Fähigkeiten haben, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Was viele Studenten dann stattdessen machen, ist ein weiteres Studium, in einem anderen Bereich, was ihnen dann noch mal 4 Jahre ihres Lebens kostet und auch dort, ist das meiste nur Theorie. In dieser Zeit bekommen die Studenten nur das Minimum an Gehalt und dürfen sich von Nebenjob zu Nebenjob hangeln. So passiert es, dass man heute viele junge gebildete Leute vorfindet, die am Ende trotzdem keinen Job finden und finanzielle Schwierigkeiten haben. Das meiste Wissen, was sie aus der Theorie gesammelt haben, setzen sie nicht in die Praxis um und dementsprechend werden keine Erfahrungen gesammelt. Sie wissen viel und bewirken trotzdem nichts, denn was viele missverstehen, ist dass Wissen alleine keine Macht ist, sondern umgesetztes Wissen.

Als Beispiel: Ich kann alles darüber wissen, wie ein Haus gebaut ist, wie die Bauprozesse ablaufen, wie hoch die Kosten des Hauses sind und welche Technologien dort verbaut werden, doch dieses Wissen alleine wird das Haus letztendlich auch nicht gebaut bekommen wenn ich nicht damit anfange es in die Realität umzusetzen. deshalb kann hier nicht von Macht die Rede sein. Die Umsetzung von Wissen, ist das, was am Ende die gewünschte Wirkung erzielt und die Ergebnisse liefert. Hinzu kommt, dass Wissenschaft sich ständig verändert, wenn neue Erkenntnisse gesammelt werden. Was heute noch gültig ist, ist es vielleicht morgen schon nicht mehr und das macht die Wissenschaft deshalb so fragil.

Macht ist abgeleitet von dem Wort machen, das bedeutet, man übt erst dann Macht aus, wenn man etwas in die Tat umsetzt. Es ist die Tat, die etwas bewirkt und es ist das richtig umgesetzte Wissen dahinter, das die professionelle Umsetzung dieser Tat ermöglicht. Der Bauarbeiter, der das Haus letztendlich baut und in die Tat umsetzt, wird in diesem Sinne deshalb mehr Macht haben als der Architekt, der alles über das Haus weiß und die Pläne zeichnet. Doch der Bauarbeiter wird auf das Fachwissen des Architekten ebenso nicht verzichten können, wenn er dieses Haus fachgerecht bauen möchte. Somit ist blinder Aktionismus auch keine Lösung. Genauso könnte ich alles darüber wissen, wie man eine Webseite aufbaut und wie man Texte schreibt, doch ich übe erst dann Macht aus, wenn ich dieses Wissen auch umsetze. Wissen erzielt somit erst dann sein maximales Potential, wenn es harmonisch in die Praxis umgesetzt wird. Deshalb ist umgesetztes Wissen wahre Macht, nicht das Wissen alleine.

Zu studieren, ist in vielen Ländern ein Luxusgut

Dann kommt noch der Kostenfaktor ins Spiel. Ich bin ein Freund der relevanten Weiterbildung, doch was ich an dem gesellschaftlichen Bildungssystem kritisiere, ist dass diese Möglichkeit nach wie vor in vielen Ländern nur den Wohlhabenden vorbehalten ist. In Ländern wie den USA, ist das Studium zu einem Geschäftsmodell verkommen. Wenn Leute in den USA studieren möchten, dann müssen sie tief in die eigene Tasche greifen und ein Kredit von meistens etwa 150.000 US-Dollar aufnehmen. Wenn sie das Studium absolviert haben, dann sind sie dazu gezwungen ihren Schuldenberg mit einem meist schlecht bezahlten Job abzuzahlen. Das kann durchaus mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Trotzdem ist dort ein Studium Voraussetzung, damit man dort überhaupt die Chance auf eine Anstellung mit gutem Gehalt bekommt. Das Wirtschaftssystem ist dort so designt, dass einem von Beginn an, die Ketten auferlegt werden, wenn man studieren möchte. Wer in den USA nicht studiert, wird sich mit weniger zufrieden geben müssen.

Zu studieren ist in den meisten Länder Luxus und selbst die Leute, die studiert haben, bekommen keine Garantie darauf, langfristig einen gut bezahlten Job zu ergattern, da der moderne Arbeitsmarkt sich stetig verändert und immer unsicherer wird. Das haben wir unter anderem der Digitalisierung und der Automatisierung zu verdanken. Wer heutzutage noch einen zukunftsfähigen Job ausüben möchte, wird vor allem im Handwerk, im Umweltschutz und in digitalen Berufen am besten bedient sein. Auch kreative und einzigartige Tätigkeiten sind noch denkbar. Die gute Nachricht ist, dass man in diesen Bereichen nicht immer zwangsläufig ein Studium braucht dafür aber das Verständnis und die Fähigkeiten. Oft reicht schon eine einfache Ausbildung oder lediglich die berufliche Erfahrung.

Braucht es heute noch ein Studium?

Das hängt vor allem vom Land, von der Kultur und dem Glaubenssystem einer Gesellschaft ab. Was wirklich zählt, ist wie bereits erwähnt, die berufspraktische Erfahrung. Erfahrung, ist das, was wirklich wertvoll ist und bei der Bewerbung am meisten ins Gewicht fällt. Es hängt auch vom ausgeübten Berufsfeld ab. Aus eigener Beobachtung kann ich sagen, dass je mehr Verantwortung man in einem Beruf tragen muss, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man für die Ausübung des Berufes einen anerkannten Universitätsabschluss benötigt. Ein Arzt von dessen Arbeit Menschenleben abhängen und ein Ingenieur dessen Maschinen potentiell die Umwelt zerstören können, wird auf einen anerkannten Universitätsabschluss in seinem Fachgebiet nicht verzichten können, weil er mit seinem Beruf eine hohe Verantwortung trägt. Das abgeschlossene Studium ist in diesem Fall der Beleg dafür, dass der Absolvent sein Fachgebiet verstanden hat und es beherrscht. Doch nicht in allen höher qualifizierten Berufen wird man einen Uniabschluss benötigen, auch nicht zwingend um beruflich erfolgreich zu sein. Im IT-Sektor reicht es meist aus, wenn man lediglich die gewünschten Fähigkeiten mitbringt. Hier ist nicht immer zwingend ein Studium erforderlich. Nehmen wir uns ein Beispiel an Bill Gates und Mark Zuckerberg: Beide haben das Collage abgebrochen und stattdessen etwas eigenes aufgebaut. Bill Gates führt ein erfolgreiches Software-Unternehmen und Mark Zuckerberg eine Social-Media-Plattform. Sie sind der beste Beweis dafür, dass man unter Umständen auch ohne Hochschulabschluss beruflich erfolgreich sein kann. Genauso gibt es auch zahlreiche Studiumabsolventen, die beruflich eher durchschnittlich erfolgreich sind. Was Unternehmer wie Bill Gates, Elon Musk und Mark Zuckerberg verbindet, ist dass diese Leute große Visionen haben und die nötigen Fähigkeiten, die Expertise, den Mut, den Willen und die Motivation mitbringen und ihre Visionen auch in die Tat umsetzen.

Darum sind sie auch so erfolgreich in dem was sie tun. Egal ob mit oder ohne Studium: Den Willen, die Fähigkeiten, die Expertise und die Umsetzung der eigenen Ziele, sind die Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Nicht in jedem Beruf wird man ein Studium benötigen und gerade wenn man ein Unternehmen gründen will, kann man häufig auf eine klassische Ausbildung oder ein Studium verzichten, solange man die nötigen Fähigkeiten und das nötige Know How mitbringt. Ein Studium und Wissen alleine, sind heutzutage lange kein Garant mehr für beruflichen Erfolg. Die Erfahrung und die daraus gelernte Weisheit, sowie die Umsetzung des erlernten Wissens, ist das, was wirklich Macht bedeutet und deshalb ist Wissen alleine keine Macht. Der wirklich Mächtige ist der, der etwas von den richtigen Dingen macht und damit die Welt verbessert.