Meinungsfreiheit, Denkfreiheit und das klare Hinterfragen von gängigen Werten und Normen ist heutzutage bedeutender denn je. Kritisches Denken ist im Zeitalter von Haltungsjournalismus und Desinformation enorm wichtig geworden und dennoch in der menschlichen Bevölkerung eine Mangelware. Das liegt unter anderem daran, weil in den meisten staatlichen Schulen nicht viel Wert darauf gelegt wurde, dass die Schüler ihre Welt und alles was darin geschieht, gründlich hinterfragen, geschweige denn, für sich selbst denken.

Das hat auch gute Gründe, denn was das veraltete staatliche Schulsystem möchte, ist ein gehorsamer Steuerzahler, der fleißig seine Arbeit erledigt und ohne selber nachzudenken und ohne aufzumucken seine Aufgaben erledigt. Hinterfragen und selbst denken, ist hier nicht erwünscht.

We don’t need no education, we don’t need no thought control…

Pink Floyd aus dem Song ,,Another Brick in the Wall”

Gefordert wird Disziplin (die erzwungene Disziplin, nicht die freiwillige Disziplin wenn man großartige Dinge voranbringen möchte), sowie das blinde Befolgen von Anweisungen und das unerschütterliche Gehorsam der Autoritäten.

All diese Werte werden durch Schulunterricht mit Methoden des militärischen Drills durchgesetzt; ganz wie zu Kriegszeiten im frühen deutschen Kaiserreich des 18. Jahrhunderts. Die Kreativität und die geistige Freiheit der Kinder wird dabei erbarmungslos mit Füßen getreten. Unter diesen Bedingungen braucht es niemanden zu wundern, warum aus den Kindern von heute, später nichts wird. Anstatt das aus den Kinder eine Generation von intelligenter, kreativer und motivierter Freigeister heranwächst, die auf alle großen Fragen und Probleme dieser Welt kreative und einzigartige Lösungen entwickeln, bildet das marode Schulsystem einen Haufen gehorsamer Konsumroboter aus, die das Denken anderen überlassen und zu 90 Prozent ihrer Lebenszeit vor irgendwelchen Bildschirmen verbringen. Du willst lernen wie man als Erwachsener arm, dumm, blind und denkfaul wird? Dann besuche die staatliche Schule.

Neue Wege gehen und aus der Box heraus zu denken, sind im staatlichen Bildungssystem Fremdwörter. Was man dort hauptsächlich bekommt, sind höchstens Doktrinen und unnützes Wissen, keine echte Bildung, die einen im Leben wirklich weiterbringt. Das soll kein Angriff auf die Lehrer werden, die es anders machen. Von wirklich guten Lehrern gibt es in den staatlichen Schulen allerdings viel zu wenige. Die Kinder dort, werden nach ihrem Schulabschluss zu einem weiteren Stein in der Mauer. Ihre Seele wurde ihnen erfolgreich ausgetrieben. Sie hinterfragen nichts, denken nicht selbst, folgen blind der Herde und versinken dadurch in der Masse. Dieser Zustand ist eine Tragödie wie ich finde, aber vielleicht ändert sich das mit diesem Beitrag. Wagen wir den Versuch. Hier kommt eine Anleitung, wie Du scharfe Kritik ausüben kannst:

Fertige eine Analyse der Gesamtsituation an

Bevor Du auch nur ansatzweise auf die Idee kommst, zu einem Thema deine (konstruktive) Kritik zu äußern, ist es zunächst notwendig dir ein klares Bild des gesamten Sachverhaltes zu machen. Schaue dir die gesamte Lage der Situation an, erkenne das große Ganze und die Zusammenhänge. Analysiere jedes kleinste Detail, alle Fakten und Argumente die sich aus dem Thema, zu dem Du deine Kritik äußern möchtest, ergeben. Glaube auch nicht alles was dir hier von anderen Seiten erzählt wird. Das kritische Denken beginnt bereits bei der Informationsbeschaffung. Folge auch nicht dem Status Quo, denn auch die Massen können alle falsch liegen; oder würdest Du von der Klippe springen, nur weil 50.000 andere Leute das auch tun? Bilde dir deine eigene realistische Meinung. Es ist zunächst wichtig, dass Du das Fachgebiet zu dem Du später deine kritische Meinung äußerst bestens kennst und verstehst und deine ganz individuelle Perspektive darauf bildest.

Beziehe deine Informationen aus zuverlässigen, unabhängigen Quellen

Dank des Internets leben wir heute im goldenen Informationszeitalter. Das ist Fluch und Segen zugleich. Während jeder mit den zahlreich verfügbaren Informationen aus dem Internet, schnell und einfach an wertvollem Wissen herankommen kann, kann ebenso gut jeder Wahnsinnige seinen Schwachsinn mit Lichtgeschwindigkeit über die ganze Welt verbreiten. Die Folgen daraus können fatal werden. Man konnte es bereits an Fake News erleben, die dafür gesorgt haben, dass ein blondharriger arroganter Multimillionär, der nicht viel Wert auf Klimaschutz legt, in den USA zum Präsidenten ernannt wurde. Deshalb stellt Desinformation eine reale Bedrohung für die Demokratie und das Allgemeinwohl dar. Gut möglich, dass es mittlerweile Programme bzw. Algorithmen gibt, die automatisiert massenhaft Desinformation über das gesamte Internet verbreiten und die leichtgläubigen Konsumenten in die Irre führen. Wer aber jede Information kritisch hinterfragt und darauf achtet, aus welcher Quelle sie kommt, hat ausgesorgt und wird nicht zum Opfer dieser Machenschaften.

Bei der Beschaffung von hochwertigen Informationen, empfehle ich hauptsächlich wissenschaftliche Institutionen wie Universitäten und Hochschulen mit echten Experten, die sich sehr ausführlich und objektiv mit dem gewünschten Themengebiet befassen. Als Beispiel: Du kannst keine unabhängige neutrale Aussage über die Sicherheit eines Impfstoffes von einem Wissenschaftler erwarten, der in dem selben Pharmaunternehmen tätig ist, das diese Impfstoffe herstellt. Dieser Wissenschaftler wird höchstwahrscheinlich nach dem Interesse des Unternehmens handeln und dir mögliche Nebenwirkungen und Risiken verschweigen oder sie schön reden. In so einem Fall wäre ein renommierter unabhängiger Fachmann, der sich ausführlich mit diesem Thema befasst, die bessere Anlaufstelle. Achte zudem, dass die Informationen aus erster Hand kommen, das bedeutet, sie stammen direkt aus der entsprechenden Forschungseinrichtung, der Organisation oder vom Experten, der sich damit befasst, antatt über den Zwischenweg von Zeitungsartikeln oder Blogbeiträgen (sofern diese keine seriösen Quellen aus erster Hand angeben). Wenn Du berechtigte Kritik an ein Thema äußern willst, ist es wichtig, dass es auf zuverlässigen und wahrheitsgemäßen Informationen beruht und nicht auf die Meinungsmache bestimmter Leute oder Organisationen, die eigene Interessen verfolgen. Wenn jeder Mensch das so macht, dann gibt es bei Desinformation nichts befürchten.

Suche nach Widersprüche und Denkfehler

Wo wir schon beim Thema Desinformation sind, zeichnen sich diese vor allem dadurch aus, dass dort logische Fehler oder Widersprüche enthalten sind, die häufig auf schlampige Arbeit zurückzuführen sind. Widersprüche können auch entstehen, wenn jemand lügt und die Lüge zuvor nicht gründlich durchdacht hat. Ein gängiger Denkfehler ist, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Oft hört man beispielsweise in irgendwelchen Zeitungsartikel von bösen Wirtschaftsprognosen die damit begründet werden, dass irgendwann in der Vergangenheit in der gleichen Situation, die gesamte Wirtschaft den Bach unter gegangen wäre und das deswegen, das selbe jetzt nochmal kommt.

Erstens ist es falsch immer davon auszugehen, dass eine Ursache immer die selbe Wirkung hat. Ich könnte heute mit meinem Auto über eine schlecht gepflasterte Straße fahren und mit dem Autorad ein Schlagloch treffen, während das Auto den Schlag unversehrt übersteht. Dann könnte ich am nächsten Tag mit dem selben Auto, über die selbe Straße fahren und wieder das selbe Schlagloch treffen. Diesmal sorgt das Schlagloch dafür, dass sich die Radachse verbiegt, während es gestern keine Probleme verursachte. Nur weil das Schlagloch gestern keinen Schaden anrichtete, heißt das nicht, dass es heute auch keinen Schaden anrichtet. Ich kann somit nicht erwarten, dass aus einer gleichen Ursache, immer die selbe Wirkung entsteht und das insbesondere dann nicht, wenn viele weitere Faktoren, die sich jederzeit ändern können, dabei eine Rolle spielen.

Vielleicht hat es geregnet und die Nässe sorgte dafür, dass das Auto mit dem Reifen 2 Zentimeter weiter an der Kante des Loches aufkam. Vielleicht ist das Schlagloch diesmal tiefer, weil zuvor ein Traktor drüber gefahren ist und die Erde dort zusammenpresste. Weil die Welt sich ständig verändert und zahlreiche Variablen sich ständig ändern können, ändert sich dadurch auch das Endergebnis und das kann auch dann passieren, wenn man immer das selbe tut. Die Wirtschaft von heute ist nicht mehr dieselbe wie die von vor 50 Jahren. Viele andere Dinge sind heute nicht mehr so wie früher. Deshalb wäre es falsch von der Vergangenheit auf die Gegenwart zu schließen. Es ist der Klassiker unter den Denkfehlern. Nur weil etwas in der Vergangenheit so gelaufen ist oder so funktioniert hat, heißt das nicht, dass es auch heute und morgen genauso sein wird. Was heute funktioniert, kann es vielleicht morgen schon nicht mehr. Selbst wenn das Ergebnis tatsächlich das selbe wäre, so muss man immer noch damit rechnen, dass es jederzeit, wegen unterschiedlichster Gründe anders kommen kann.

Solche Logikfehler müssen bei jedem Thema zuvor gründlich erfasst werden, denn ansonsten lässt sich beim Äußern der Kritik, nicht vernünftig argumentieren. Das ist ein elementarer Bestandteil des kritischen Denkens und notwendig, damit die eigene Kritik auf korrekte Tatsachen beruht. Es wird alles analysiert was in irgendeiner Weise, verdächtig, widersprüchlich oder fehlerhaft erscheint. Erst dann kann man etwas berechtigt kritisieren und damit etwas bewirken.

Fragen sind goldwert

Ein Thema kritisch hinterfragen umfasst genau das: Fragen stellen. Stelle Fragen zum Thema und befrage deinen Diskussionspartner. Irgendwo hieß es mal: ,,Wer, Wie, Was? Wieso, Weshalb, Warum? – Wer nicht fragt bleibt dumm” . Wahr. Anstatt alles was die anderen zum Gesprächsthema sagen, bedenkenlos abzunicken, stellst Du konkrete Fragen, zum Thema und zu den Argumenten der Gegenseite. Wenn Du dich zum Beispiel mit jemanden über den Terroranschlag von Nine Eleven unterhältst und der Gesprächspartner versichert dir, dass der Anschlag definitiv von Terroristen aus Afghanistan durchgeführt wurde, dann könntest Du ihn fragen, wie er darauf kommt. Welche Beweise gibt es? Sind die Beweise echt? Wie ist man an diese Beweise herangekommen? Wer war darin involviert? Was war der Beweggrund für diesen Anschlag? Wenn Du Antworten darauf bekommst, dann achte darauf, dass diese auch schlüssig sind und keine Widersprüche und Denkfehler beinhalten. Lass dir jedes Argument, dass Du aufgetischt bekommst, sorgfältig begründen. Lasse keine Fragen und Unstimmigkeiten offen. Bohre weiter nach, wenn es sein muss. Manchmal kann es vorkommen, dass der Diskussionspartner, ohne es zu wissen, selbst desinformiert ist und Falschaussagen von sich gibt. Einfache Fragen, die Widersprüche, Lügen und Missverständnisse aufdecken, können sämtliche Ungereimtheiten in einer Diskussion beseitigen und für mehr Klarheit sorgen. Das wussten schon lange die großen Philosophen der Antike. Andernfalls könnte ein Lügner jede Diskussionsrunde gewinnen, wenn er seine falschen Argumente und Überzeugungen selbstbewusst rüberbringt. Das gezielte Hinterfragen kann in diesem Fall goldwert sein und ist ein elementarer Bestandteil des kritischen Denkens.

Finde starke Argumente, die deine Kritik stützen

Sobald Du überzeugende Belege für die Berechtigung deiner Kritik gefunden hast, gilt es jetzt daraus starke Argumente zu formen, die das Publikum zum Umdenken bewegen soll. Sei auch offen, für andere Argumente und Überzeugungen und lasse sie dir, wie zuvor erwähnt, sorgfältig begründen und belegen. Das gilt übrigens auch für deine eigenen Argumente. Nehmen wir den Klimaschutz als Beispiel: Wenn Du davon überzeugt bist, dass hauptsächlich die menschengemachten Treibhausgase für den Klimawandel verantwortlich sind, dann kannst Du ergänzend, seriöse wissenschaftliche Quellen beilegen, die diese Aussage eindeutig belegen. Wenn jemand nicht glaubt, dass die Abgase eines Dieselmotors, tatsächlich das Klima schädigen, kannst Du auf ein wissenschafltiches Experiment verweisen, dass die Klimaschädlichkeit dieser Treibhausgase nachweisen kann. Echte Zahlen, Daten, Fakten, sind die besten Beweise, die deine Argumente stützen und deine Kritik berechtigen.

Bleibe objektiv, sachlich und faktenbezogen

Wenn Du ein Thema kritisch hinterfragst und später argumentierst, ist es wichtig, dass Du dabei sachlich, neutral und faktenbezogen bleibst und bei der Diskussion nicht zu emotional wirst. Das ist wichtig, damit deine Kritik seitens der Zuhörer auch ernst genommen wird. Du möchtest, das deine Kritik berechtigt ist und sich auf echte Fakten bezieht um auch andere Leute von deiner Sichtweise überzeugen zu können. Niemand kritisiert etwas grundlos. Die Kritik soll einen Denkanstoß zum Umdenken geben. Liefere der Gegenseite gute Begründungen für deine Kritik, ohne dabei überheblich zu werden.

Fazit:

Kritisches Denken ist eine wertvolle Eigenschaft, die nur die wenigsten besitzen. Die Fähigkeit Sachverhalte gründlich zu hinterfragen und auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, wird in heutigen Zeiten mehr denn je gebraucht. Kritischen Denken ist vielleicht nicht immer leicht, weil manche Sachverhalte sehr unübersichtlich und verwirrend sein können und das insbesondere in Zeiten von Informationschaos und vielfältiger Meinungsverschiedenheiten. Dennoch lässt sich diese Fähigkeit, wie alle anderen Fähigkeiten trainieren und kann in besonders hitzigen Diskussionen als Streitschlichter dienen und am Ende für mehr Klarheit und Unbestechlichkeit sorgen. Denn am Ende geht es beim kritischen Denken genau darum: Um die Klarheit, die Gewissheit, dass man richtig liegt und dass man auch für sich selbst denkt, anstatt das Denken nur den anderen zu überlassen.